Analdehnung – der Schließmuskel unter Kontrolle!

Neben der Muskulatur, die wir für die Bewegung benötigen, verfügt der Körper über weitere Muskelgruppen, die anderen Zwecken dienen und nur bedingt unserer Kontrolle unterliegen. Dazu gehören beispielsweise die Schließmuskeln. Am Beispiel des Auges ist ihre Funktion besonders leicht erklärbar: Der Schließmuskel des Auges funktioniert sowohl autonom als auch somatisch. Autonom reagiert der Schließmuskel des Auges im Reflex: Bewegt sich ein Gegenstand schnell auf das Auge zu, schließen wir es reflexartig. Dieser Reflex lässt sich nicht unterdrücken. Gleichfalls ist es uns trotzdem möglich, das Blinzeln zu kontrollieren, das ohne ebenfalls ohne willentliche Impulse autonom abläuft.

Schließmuskeln finden sich an vielen Stellen im Körper und mit entsprechendem Training unterliegen alle der willentlichen Beeinflussung. Sie dienen dazu, den Körper vor dem Eindringen von Fremdstoffen zu schützen und bilden gleichzeitig einen festen Verschluss. Aufgrund physischer Bedürfnisse öffnen sie sich jedoch und lassen eine Passage zu. Beim After, der ebenfalls durch einen festen Ringmuskel verschlossen ist, handelt es sich gegebenenfalls um Kot und Gase, die den Körper verlassen sollen. Vermutlich infolge unserer strengen Erziehung im Zusammenhang mit Fäkalien und der daraus resultierenden gesellschaftlichen Prägung, können viele die Entspannung des Schließmuskels am After nicht oder nur bedingt kontrollieren. Ihnen hilft die Analdehnung, sich mit dem Körpergefühl vertraut zu machen und die Relaxation zu üben. Eine wesentliche Voraussetzung für den Analverkehr.

Was passiert beim Stuhlgang?

Der Enddarm ist auf zweifache Weise gegen die ungewollte Passage von Stuhl gesichert: Neben dem Schließmuskel stellen die Hämorrhoiden einen weiteren Teil des Verschlusssystems dar. Es handelt sich bei den Hämorrhoiden um stark mit Blut gefüllte Gefäße, die vor dem Ablassen des Stuhls entleert werden. Kommt es zum Stuhldrang, fließt das Blut aus den Hämorrhoiden in den Körper zurück und der Schließmuskel am Anus entspannt sich autonom. Der Kot kann problemlos abgehen. Personen mit Stuhlproblemen neigen häufig dazu, den Stuhl aus ihrem Körper herauszupressen, was zu Verletzungen führt: Die Hämorrhoiden treten aus dem Enddarm aus, wo sie vollkommen ungeschützt und leicht verletzbar sind. Zusätzlich kann es zu feinen oder auch stärkeren Rissen am Schließmuskel kommen. Damit sich diese Folgen nicht auch durch den Analverkehr einstellen, ist eine Analdehnung sinnvoll. Die behutsame Analdehnung dient zusätzlich dem Entspannungstraining des Schließmuskels und gewöhnt an das Gefühl des Eindringens.

Hilfsmittel für die Analdehnung

Für erste Erfahrungen mit dem Eindringen in den Enddarm sind die eigenen Finger am besten geeignet. Die aufnehmende Person bekommt so die volle Kontrolle über die Eindringtiefe und verfügt ebenso über einen zweiten Nervenreiz, was Anspannung und Entspannung des Schließmuskels betrifft. Als Hilfsmittel für die Analdehnung sind Gleitmittel empfehlenswert, weil der After nur in geringem Maße Feuchtigkeit absondert, welche die Passage erleichtern würde. Durch die Reizung des Schließmuskels fließt auch das Blut aus den Hämorrhoiden zurück, der Enddarm öffnet sich. Alternativ zu den eigenen Fingern eignen sich Analdehner zur Vorbereitung der Penetration. Hierbei handelt es sich um einen konisch geformten Gegenstand, der ursprünglich aus der Medizin stammt. Je nach individuellem Empfinden kann der Analdehner tiefer oder vorsichtiger in den Darm eingeführt werden. Ein verdicktes Ende verhindert die vollständige Aufnahme in den Darm, die abgerundete Spitze wirkt präventiv im Bezug auf Verletzungen im Körperinneren.

Auch Butt-Plugs können zur Analdehnung vor dem Analverkehr verwendet werden. Im Gegensatz zu Analdehnern verjüngt sich der Butt-Plug zum Ende hin, so dass der Schließmuskel dieses verengte Stück des Butt-Plugs umfassen kann. Sowohl Analdehner als auch Butt-Plugs verfügen über ein dickeres abschließendes Ende. Dieses verhindert, dass das Analdehnung Hilfsmittel komplett in den Anus gelangen kann.

Risiken beim Analverkehr und der Analdehnung

Grundsätzlich bestehen keine Risiken durch den Analverkehr oder die entsprechende Vorbereitung der Analdehnung. Dennoch sollten einige Sicherheitsaspekte beachtet werden, denn verglichen mit dem Vaginalverkehr stellt das Eindringen in den After ein höheres Risiko für die Übertragung von Krankheiten dar. Ebenfalls ist die Verletzungsgefahr (vor allem des passiven) Partners nicht unerheblich. Die Gründe haben verschiedenen Ursachen:

  • Aufgrund der intensiver durchbluteten Schleimhaut im Darminneren tritt bei Verletzungen eher Blut aus, als es beim Vaginalverkehr der Fall ist.
  • Wegen der Enge und des hohen Drucks, dem der Penis am Schließmuskel ausgesetzt ist, kommt es auch beim penetrierenden Mann schnell zu blutenden Verletzungen, wenn die Vorhaut Schaden nimmt.
  • Anders als das Vaginalsekret, das in geringem Maße desinfizierend wirkt, ist eine solche natürliche Schutzfunktion im Darm nicht zu erwarten.
  • Analverkehr, der mit unangemessener Gewalt ausgeübt wird, führt zu Verletzungen des Schließmuskels sowie der Darmschleimhaut, aber auch der Vorhaut.
  • Analverkehr ohne vorbereitende Analdehnung kann bei ungeübten Partnern ebenfalls zur Verletzung führen, selbst wenn die Bereitschaft vorhanden ist, jedoch die Übung fehlt.
  • Der Verzicht auf Gleitmittel erschwert die Penetration und kann gleichfalls Verletzungen beider Partner herbeiführen.
  • Ungeeignete Gerätschaften oder Gegenstände mit harten Kanten, Finger mit langen Nägeln oder unsteriles Sexspielzeug erhöht die Gefahr der Infektion.

Es gilt: Bei der vorbereitenden Analdehnung muss, ebenso wie beim Analsex, der aufnehmende Partner tonangebend sein. Wenn er das Einhalten gebietet, muss sein Ansinnen dringend befolgt werden, weil es sonst zu erheblichen Verletzungen kommen kann.

Lieben Sie anal, aber seien Sie ausgesprochen vorsichtig!