Einleitung

Als Analverkehr oder umgangssprachlich auch Analsex wird das Eindringen des erigierten Gliedes in den Anus (lateinisch für „After“) des Sexualpartners bezeichnet. Nicht zum Analverkehr, wohl aber zum Analsex, zählt das Einführen von Sexspielzeug, Finger, Zunge, usw. in den Anus. Aktiv ist beim Analverkehr derjenige, der einführt, passiv der, in den eingeführt wird.

Viele betrachten den Po noch immer als Tabuzone beim Sex. Dies liegt häufig daran, dass sie den After vordergründig mit „Fäkalien“ assoziieren und dadurch unangenehme Vorstellungen und Gefühle hervorrufen, so dass es ihnen schwer fällt sich vorzustellen, wie Analverkehr sauber und lustvoll ablaufen kann. Für andere macht gerade das Verbotene und Ungewöhnliche den besonderen Kick aus. Fest steht, dass analer Sex ein erotischer Grenzbereich ist.

Tristan Taormino - Ultimate Guide to Anal Sex for Women

Tristan Taormino –
Anal Sex for Women

Sowohl hetero- als auch homosexuelle Paare praktizieren Analverkehr. Der Akt kann dabei für beide Seiten lustvoll sein; so können durchaus auch Frauen beim Analverkehr zum Orgasmus kommen. Allerdings erfordert der Analverkehr unter Umständen gegenüber dem Vaginalverkehr einige Vorbereitungen und ein behutsameres Vorgehen. Für Frauen, die mit der englischen Sprache kein Problem haben, ist das nebenstehende Buch von Tristan Taormino – der Expertin für analen Sex – empfehlenswert.

Vorbereitung des Analverkehrs

Gerade als passiver Part beim Analverkehr ist es hilfreich, ausreichend mit dem eigenen Anus vertraut zu sein. Vor dem Spiegel können Sie ihren rektalen Ausgang von möglicherweise vorhandener Behaarung befreien (um optisch ansprechender zu wirken und ein Ziepen beim Verkehr zu vermeiden) und Ihren Anus kennen lernen. Tasten Sie ihn mit ihren Fingern ab und führen Sie, beispielsweise während der Masturbation, einen oder auch mehrere Finger ein. Fetten Sie Ihre Finger gut ein und achten Sie auf kurze Fingernägel. Auf diese Weise kann der Schließmuskel gedehnt und an größere Gegenstände, wie etwa Sextoys oder den Penis, gewöhnt werden. Passen erst einmal drei Finger oder ein ähnlich großes Sexspielzeug hinein ohne das es schmerzt, sind Sie auch für ein erigiertes Glied ausreichend gewappnet.

Analdehnung mit Hilfe des Butt-Plug

Besonders geeignet für die Analdehnung und die Vorbereitung des Analverkehrs sind Butt-Plugs (auch bekannt als Analplugs oder Analstöpsel). Sie werden vor dem Analverkehr langsam in den Anus eingeführt und verbleiben dort für einige Minuten. Hierdurch wird der Anus gedehnt und die Rektalmuskeln entspannt. Ein Butt-Plug kann auch über längere Zeit getragen und der Schließmuskel des Anus dadurch trainiert werden, um so den Analverkehr noch lustvoller und gänzlich ohne Schmerzen zu gestalten. Das Tragen eines Butt-Plugs kann stimulierend wirken. Sie werden feststellen, dass der Schließmuskel sensibel und kraftvoll zugleich ist, mit dem sie aktiv zupacken können! Entgegen häufiger Vermutungen erschlafft der Schließmuskel durch Analdehnung auch nicht sondern das Gegenteil ist der Fall: Durch wiederholte Anforderungen wird er elastischer und kräftiger – wie mit einer Hand lässt sich der Penis mit dem Schließmuskel umklammern.

Den Enddarm reinigen –
Einlauf, Analdusche, Irrigator & Co.

Unerfahrende haben häufig hygienische Bedenken: Sie haben Angst, während des Analverkehrs mit Kot in Kontakt zu kommen. Tatsächlich ist es aber so, dass nach dem Stuhlgang kaum Kot im Enddarm und Anus verbleibt. Beide sind lediglich Durchgangskanäle und nur während des Stuhlgangs mit Kot in Kontakt. Nichtsdestotrotz sollten Sie Ihren Anus und Ihren Enddarm vor dem Analverkehr reinigen. Versuchen Sie zunächst einen Stuhlgang zu haben und führen Sie anschließend eine Reinigung durch um verbliebene Fäkalreste zu beseitigen. In Sachen Reinigung können Sie zwischen einer Analspülung und einem Einlauf unterscheiden – beide Methoden stellen wir Ihnen kurz vor.

Die Analspülung – Analdusche mit Duschaufsätzen

Für die Analspülung werden in der Regel Spülbälle (auch bekannt als Klistiere) und Duschaufsätze verwendet. Haben Sie beides nicht zur Hand, können Sie auch auf Plastikflaschen mit Nuckelverschluss ausweichen. Achten Sie in jedem Fall darauf, dass Sie Ihren Anus nicht überfordern und halten Sie sich unbedingt in unmittelbarer Nähe einer Toilette auf. Nach der Analspülung ist Ihr Enddarm ausreichend gereinigt.

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Tiefenreinigung mittels Einlauf

Während Analspülungen in der Regel nur mit geringen Mengen Wasser (um die 200ml) durchgeführt werden, können beim Einlauf um die 2l verwendet werden. Die Medizin empfiehlt zwei Einläufe: Zunächst eine Darmspülung mit wenig Flüssigkeit und anschließend eine zweite mit einer größeren Menge Flüssigkeit. Wer es mag, kann das lauwarme Wasser noch mit etwas Salz anreichern, wodurch die abführende Wirkung gesteigert wird (max. 10g Kochsalz auf 1l Wasser). Verwendet werden für die Tiefenreinigung mittels Einlauf Irrigator, Einlaufbeutel oder Einlaufballon.

Durchführung des Analverkehrs

Sowohl für den Mann als auch für die Frau gilt, dass der Afterbereich mit vielen sexuell stimulierbaren Nervenenden ausgestattet und damit für beide eine erogene Zone ist. Die Nervenenden, die durch Druck und Bewegung den Analverkehr zu einem lustvollen Erlebnis machen, liegen zum einen rund um den äußeren Schließmuskel und zum anderen im inneren Schließmuskel und im Enddarm.

Betrachten wir hinsichtlich der Stimulation zunächst die Frau: Nimmst sie die passive Rolle ein, so wird ihr sogenannter A-Punkt und ihr Scheidegewebe stimuliert. Die Anspannung der Beckenbodenmuskulator hilft der Frau zu weiterem Lustgewinn. Im Rahmen einer umfangreichen Studie zum Sexualverhalten konnte festgestellt werden, dass durch die gleichzeitige vaginale und anale Stimulation mehr Frauen einen Orgasmus erlangen, als auf jedem anderen Wege sexueller Stimulation. Doch wo so viel Licht ist, gibt es auch Schatten: Denn in der aktiven Rolle erfährt die Frau beim Analverkehr keine direkte Stimulation.

Anders aber beim Mann: Er erlebt in der aktiven Rolle eine intensivere Stimulation im Vergleich zum Vaginalverkehr, da Anus und Enddarm enger und muskulöser sind. Auch in der passiven Rolle kann Analverkehr einen Orgasmus beim Mann auslösen, da durch diesen seine sexuell empfindliche Prostata gereizt wird.

Die Wahl der Stellung – Reiterstellung und A-Tergo-Stellung für den Einstieg

Gerade wer erste Erfahrungen mit dem Analverkehr sammeln möchte sollte darauf achten, dass der passive, also der empfangende Partner zunächst die Kontrolle ausübt. Hierzu empfehlt sich besonder die Reiterstellung und die A-Tergo-Stellung: In beiden kann der passive Partner – was an sich missverständlich formuliert ist – die Tiefe und den Rythmus der Penetration bestimmen.

Vermeidung von Schmerzen beim Analsex

Um Schmerzen beim Analsex zu vermeiden, sollte besonders behutsam vorgegangen werden. Ein langsames Eindringen in den zuvor gedehnten Anus (siehe unsere Empfehlungen zur Analdehnung weiter oben) und die Verwendung von ausreichend Gleitmittel sind oberstes Gebot. Wird dieses eingehalten, ist Analverkehr in aller Regel schmerzfrei.

Wechsel zwischen Vaginal- und Analverkehr vermeiden

Der Einsatz eines Kondoms beim Analverkehr hilft die Übertragung von Krankheiten und die Entstehung von Schwangerschaften (Sperma könnte andernfalls in die Scheide gelangen) zu vermeiden. Wer zwischen Vaginal- und Analverkehr wechseln möchte, der sollte dann das Kondom wechseln oder, sofern kein Kondom verwendet wird, sein Glied abwaschen, da andernfalls Keime aus dem Enddarm in die Vagina gelangen und dort Entzündungen auslösten könnten.

Risiken beim Analverkehr

Übertragung von Erkrankungen

Für den passiven Partner besteht beim Analverkehr eine im Vergleich zum Vaginalverkehr erhöhte Verletzungsgefahr, da die stark durchblutete Schleimhaut des Enddarms erheblich empfindlicher ist als die Vagina. Schon kleinste Verletzungen der Schleimhaut des Enddarms können zur Übertragung von Bakterien und Viren führen. Zu derartigen Verletzungen kann es beispielsweise dann kommen, wenn der Schließmuskel überdehnt wird und sich dadurch Rissen bilden oder wenn zu tief in den rund 20cm tiefen Enddarm eingedrungen wird.

Um sich vor sexuell (durch den Austausch von Körperflüssigkeiten) übertragbaren Erkrankungen wie HIV, Hepatitis B oder auch Hepatitis C beim Analverkehr zu schützen, sollten gerade solche Personen, die ihre Geschlechtspartner häufig wechseln, Kondome verwenden. Empfehlenswert ist in diesem Zusammenhang die Verwendung von Kondomen, die speziell für den Analverkehr entwickelt worden sind. Solche Kondome bieten eine verbesserte Sicherheit, da sie eine dickere Wandstärke und eine höhere Elastizität aufweisen.

Der Einsatz von Gleitmitteln hilft das Verletzungsrisiko beim Analsex, insbesondere die Bildung von Rissen im Schließmuskel, zu reduzieren. Beachten Sie jedoch, dass nur Gleitmittel auf Wasser- oder Silikon-Basis in Verbindung mit Kondomen verwendet werden können, denn fetthaltige Gleitmittel können das Material eines Kondoms angreifen.

Ausleiern oder Erschlaffen des Schließmuskels

Ein oftmals geäußertes Bedenken ist, dass der Schließmuskel durch Analverkehr ausleiern oder erschlaffen könnte. Hierbei sind zwei Aspekte zu unterscheiden:

  1. Regelmäßiger (behutsamer) Analverkehr verbessert das kontrollierte An- und Entspannen des Schließmuskels und stärkt dessen Kontraktionstonus auf diese Weise. In dieser Hinsicht ist Analverkehr positiv und bedenkenlos für den Schließmuskel.
  2. Andererseits verringert regelmäßiger Analverkehr den Ruhetonus (die Grundspannung) des Schließmuskels. Ob dies nun positiv oder negativ ist, ist unter Wissenschaftlern umstritten: Die Fürsprecher begründen die geringere Grundspannung mit der durch Analverkehr erworbenen Fähigkeit, den Schließmuskel besser entspannen zu können. Die Kritiker hingegen vertreten die Ansicht, dass der geringere Ruhetonus aus der Überdehnung des Analkanals resultiert.

Risiken speziell für Frauen

Für Frauen gilt, dass diese aufgrund ihrer Anatomie anfälliger für anorektable Störungen, das heißt Verletzungen im Anus- und Enddarmbereich, sind. Für Frauen besteht darüber hinaus beim Analverkehr das Risiko einer Schwangerschaft, sofern kein Kondom verwendet wird. Denn obgleich Vagina und Anus getrennte Körperöffnungen sind,  so kann doch während oder nach dem Verkehr Sperma in die Vagina gelangen.

Verbreitung und Häufigkeit

Auch wenn die Thematik des Analverkehrs nach wir vor ein öffentliches Tabu ist, so wird er doch von vielen Menschen regelmäßig praktiziert. Jüngsten Studien zufolge wird Analverkehr zunehmend beliebter – insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene geben an, mehr oder weniger häufig Analsex zu praktizieren. Unter Wissenschaftlern umstritten ist jedoch, ob die Verbreitung des Analverkehrs tatsächlich zugenommen hat, oder ob lediglich mehr Menschen bereit sind ehrlich und offen darüber Auskunft zu geben.

Laut einer im Jahr 2007 von der Zeitschrift Neon durchgeführten Studie verfügen in Deutschland 47% der Männer und 57% der Frauen im Alter von 20 bis 35 Jahren über Erfahrungen mit Analsex. Über 20% der Männer und Frauen praktizieren diesen auch regelmäßig.